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Aligner: Zahnkorrektur mit Hightech-Schienen

28.04.2022

Eine kieferorthopädische Behandlung mit einer möglichst unauffälligen Apparatur, die man auch kurz mal herausnehmen kann: Das wünschen sich vor allem Erwachsene, die im Berufsleben stehen. Aber auch Jugendliche setzen immer häufiger auf eine Zahnkorrektur mit Zahnschienen. Die Methode hat viele Vorteile.

Was sind Zahnschienen oder Aligner?

Aligner sind aus Kunststoff gefertigte dünne Schienen, die auf die Zähne des Ober- oder Unterkiefers gesetzt werden. Anders als Knirscherschienen, die zur Entlastung von Zähnen oder Kiefergelenken eingesetzt werden, und Retentionsschienen, die nach einer kieferorthopädischen Behandlung das Ergebnis sichern, werden diese Schienen jedoch zur Korrektur von Zahnfehlstellungen eingesetzt. Daher werden sie auch Aligner genannt, was im Deutschen so viel wie „Ausrichter“ bedeutet.

Zahnkorrektur mit Zahnschienen
Zahnschienen zur unauffälligen Zahnkorrektur I Quelle monkey_graphy

 

Die durchsichtigen Zahnschienen sind nicht nur ästhetisch, sondern haben noch weitere Vorteile. Sie sind komfortabel zu tragen, stören weder den beruflichen, schulischen noch privaten Alltag, können beim Essen herausgenommen werden und ermöglichen – im Gegensatz zu festen Zahnspangen – eine uneingeschränkte Mundhygiene.

Vorteile der Alignertherapie:

  • Ästhetik: ästhetische Behandlungsmethode durch nahezu unsichtbare Schienen
  • Indikation: großes Indikationsspektrum für jedes Alter
  • Effizienz: durch digitale Behandlungsplanung ist eine effiziente und visualisierte Therapieplanung möglich, Vorher-Nachher-Simulation
  • Zahnpflege: keine Einschränkungen bei der Mundhygiene
  • Tragekomfort: keine Beeinträchtigung beim Sprechen, Schienen sind herausnehmbar
  • Zeit: kürzere Kontrolltermine beim Kieferorthopäden im Vergleich zu einer festen Zahnspange

 

Ursprünge der Alignertechnik

Der Ursprung dieser kieferorthopädischen Behandlungsmethode liegt im Jahr 1945: Damals wurde der sogenannte Positioner vorgestellt, der nach einer festsitzenden Behandlung zum Schließen letzter Lücken eingesetzt wurde. Weitere Entwicklungen sind eng mit dem Aligner verbunden: z. B. eine Retentionsschiene, die durch Verkleben einer weich- und hartelastischen Folie hergestellt wurde, oder die sogenannte Essix-Schiene, die mithilfe verschiedener Zangen Druckpunkte für kleinere Zahnbewegungen ermöglichte. Ende der 1990er-Jahre wurde mit Invisalign dann erstmals ein Alignersystem vorgestellt, bei dem die Zähne mithilfe mehrerer, nacheinander einzusetzender Schienen in ihre vorab festgelegten Zielpositionen bewegt wurden.

Zahnkorrektur durch vorprogrammierte Schienen 

Heute ist die Alignertherapie fester Bestandteil des kieferorthopädischen Praxisalltags, was auch durch die zahlreich am Markt verfügbaren Alignersysteme deutlich wird. Dank modernster Technologien können die Zahnbewegungen virtuell von Anfang bis Ende am Computer geplant, für den Patienten visualisiert und ein entsprechender Therapieplan erstellt werden. Dabei berechnet eine Software die – je nach vorliegender Fehlstellung – benötigte Anzahl an Zahnschienen, wobei jede einzelne ihre spezielle Information zur Zahnkorrektur enthält. Die Aligner übertragen dann die jeweils einprogrammierten Informationen durch entsprechende Druckausübung auf die zu bewegenden Zähne.

Simulation einer kieferorthopädischen Behandlung mit Alignern
Digitale Vorher-Nachher-Simulation I Quelle: intern

Die Materialforschung hat im Laufe der letzten Jahrzehnte Folien mit immer weiter optimierten Eigenschaften hervorgebracht, die sich insbesondere auf die Passung der Zahnschiene, also den Abstand zwischen Schieneninnenfläche und Zahnaußenfläche, und somit direkt auf die Behandlungseffizienz auswirken. Ein Material, das heute oft genutzt wird, ist Polyethylene Terephthalate Glycol (PET-G).

Tragedisziplin entscheidend für Behandlungserfolg

Aligner sollten täglich mindestens 20 bis 22 Stunden getragen werden. Je nach Anweisung des Fachzahnarztes für Kieferorthopädie erfolgt nach 7 bis 14 Tagen der Wechsel zur nächstfolgenden Schiene. In der Regel erhält der Patient eine begrenzte Anzahl an Alignern für einen bestimmten Zeitraum. Nach sechs bis zwölf Wochen kommt er zur Kontrolle des Behandlungsverlaufs wieder zum Kieferorthopäden. Indem der Patient nach und nach seine Schienen „abträgt“, wird die Stellung seiner Zähne schließlich korrigiert.

Hilfsmittel erweitern Umfang korrigierbarer Zahnbewegungen

Bei der Korrektur leichter bis mittelschwerer Fehlstellungen können Zahnschienen vergleichbare Ergebnisse erzielen wie eine festsitzende Zahnspange. Bei komplexeren Behandlungsaufgaben sind ihre Möglichkeiten hingegen begrenzt und Hilfsmittel zur Optimierung der Zahnbewegung oder Korrektur des Bisses machen Sinn. Zur Verstärkung der Alignerwirkung werden vom Kieferorthopäden routinemäßig sogenannte Attachments auf die Zähne geklebt. Außerdem können z.B. bei starken Zahndrehungen zusätzliche Knöpfchen aus Metall oder Kunststoff zum Einsatz kommen, in die ein kleiner Gummiring eingehängt werden kann. Durch den Zug dreht sich der Zahn schneller in die gewünschte Position. Weitere zuverlässige Helfer, die die Effektivität von Zahnschienen zur Bisskorrektur oder Verankerung erhöhen, sind Gummizüge. Bewährt haben sich auch sogenannte Chewies: kleine Kunststoffrollen mit oder ohne Geschmack, auf die der Patient beißt, um den Sitz der Schiene auf den Zähnen und somit deren Wirkung zu erhöhen.

 

Quellen:

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