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Amalgam: Ist die Zahnfüllung schlecht für die Gesundheit?

17.02.2023

Auch wenn Amalgam in Deutschland noch als Zahnfüllung verwendet wird: Um seinen Ruf ist es nicht gut bestellt. Die Zahnfüllung steht im Verdacht, wegen ihres Anteils an Quecksilber Gesundheitsschäden zu verursachen. Aber stimmt das auch? Wir erklären, was an den Gerüchten dran ist und welche Alternativen gibt.

Was ist Amalgam?

Amalgam ist ein Oberbegriff für Legierungen mit unterschiedlichen Anteilen an Quecksilber, Silber, Zinn, Zink, Indium oder Kupfer. Die Metallmischung wird in fertigen Dosierungen an Zahnarztpraxen geliefert. Anwendung findet die Legierung vor allem bei Patienten mit Karies, also bei Löchern im Zahn. Der Zahnarzt mischt das Amalgam in Pulverform mit flüssigem Quecksilber. Die daraus entstehende dickflüssige Masse wird in den betroffenen Zahn eingearbeitet und härtet dort aus. Ein Thema, das bei Patienten zur Frage führt: Ist Amalgam gefährlich oder ungefährlich?

Vorteile von Amalgam

Bis Anfang des neunzehnten Jahrhunderts wurden Löcher oft mit Gold gefüllt. Mit der Erfindung von Amalgam gab es eine kostengünstigere Alternative, die bis in unsere heutige Zeit bei Karies-Patienten Anwendung findet. Eine Füllung aus Amalgam ist günstig und langlebig. Im Bereich der Seiten- und Backenzähne ist Amalgam das einzige Material, für das die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten in voller Höhe übernehmen.

Nachteile von Amalgam

Ein Bestandteil von Amalgam ist Quecksilber. Es gilt als hochgiftiges Schwermetall. Amalgam ist daher Sondermüll und muss in speziellen Behältern aufbewahrt werden. Beim unsachgemäßen Einsetzen und Entfernen können Quecksilberdämpfe entweichen, was gesundheitliche Schäden nach sich ziehen kann. Amalgam ist auch ästhetisch nicht optimal: Das Material ist von silber- bis schwarzgrauer Farbe und hebt sich deutlich von der umgebenden Zahnfarbe ab. Daher ist es für Füllungen im Frontzahnbereich ungeeignet und selbst im Seitenzahnbereich wirkt es unansehnlich. 

 

Amalgam Füllung
Amalgam ist ästhetisch nicht optimal und Füllungen sind durch ihre metallische Farbe deutlich zu erkennen.      istockphoto.com | alex-mit

 

Amalgam lässt sich zwar gut formen, aber es gibt auch Fälle, in denen ein Randspalt zwischen Zahn und Füllung bleibt, sodass die Füllung nicht perfekt dicht ist. So kann im Spalt ein Refugium für Bakterien entstehen. 

Soll man Amalgam entfernen lassen?

Wer bereits Amalgamfüllungen in seinen Zähnen hat, sollte sie drin lassen. Denn bei einer Amalgamentfernung bzw. einer sogenannten Amalgamsanierung werden Quecksilberdämpfe durch die Hitzeeinwirkung des Bohrers freigesetzt, die eingeatmet werden können. Wird dennoch saniert: Mithilfe eines Kofferdams, also eines Silikonschutzes, der die Zähne umschließt, kann das Risiko der Inhalation gesenkt werden. Wenn die Amalgamfüllung einen Riss oder einen Spalt zum Zahn hin aufweist, sollte saniert werden. Denn auch bei kleinen Schäden können Dämpfe entweichen.

Welche Füllung statt Amalgam?

Wer eine neue Füllung braucht, kann zwischen Amalgam und anderen Füllmaterialien wählen, etwa Komposit, Zement, Keramik oder Gold. Das ist vor allem eine Frage der Kosten, denn die Alternativen müssen aus eigener Tasche gezahlt werden. Wer es sich also leisten kann, sollte zum teureren Füllmaterial greifen. Gut ist es, wenn man eine Zahnzusatzversicherung hat, die einen Teil der Kosten übernimmt. 

Gesetzlich Versicherte erhalten von der Krankenkasse die Kosten erstattet für:

  • Kunststoff- oder Komposit-Füllungen im Frontzahnbereich
  • Amalgamfüllungen im Bereich der Seiten- und Backenzähne
  • Füllungen aus Zement oder Kompomer als Provisorium oder bei kaputten Milchzähnen

 

Wann ist Amalgam verboten?

Drei Sonderfälle gibt es: Seit 2018 dürfen Zahnärzte laut einer EU-Verordnung: 

  1. bei Kindern unter 15 Jahren kein Amalgam verwenden. Stattdessen übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Zement.
  2. bei Schwangeren keine Amalgamfüllungen mehr verwenden. Hier muss der Zahnarzt eine plastische Füllung aus Komposit anbieten. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.
  3. bei einer Amalgam-Allergie alternative Behandlungen anbieten, die die Krankenkasse bezahlt.

 

Fazit

Es gibt bislang keine wissenschaftlichen Daten, die belegen, dass Amalgam-Füllungen gesundheitsschädlich sind. Gleichwohl können sie aber allergische Reaktionen auslösen. Die EU hat beschlossen, dass Amalgam in Zahnarztpraxen nur noch bis 2030 verwendet werden darf. Wer die Möglichkeit hat, auf eine Amalgamfüllung zu verzichten, sollte dies tun. Es gibt zahlreiche alternative Füllungsmaterialien, die besser geeignet und ästhetisch ansprechender sind.

Häufige Fragen rund um Amalgam

Wer macht noch Amalgamfüllungen?

Amalgam findet hauptsächlich bei Zahnärzten Verwendung. In Deutschland ist aktuell noch jede zehnte Füllung aus Dentalamalgam. Bis 2030 soll Amalgam komplett abgeschafft werden, danach ist Amalgam nur noch in Ausnahmefällen erlaubt.

Warum ist Amalgam noch erlaubt?

Amalgamfüllungen ähneln der echten Zahnsubstanz und müssen erst nach durchschnittlich acht Jahren erneuert werden. Zudem erlaubt die EU die Verwendung noch bis ins Jahr 2030. Es ist kostengünstig und für das Material selbst ist keine gesundheitsschädliche Wirkung nachgewiesen.

Was macht Amalgam im Körper?

Amalgam selbst ist nicht schädlich. Sorgen vor einer Amalgamvergiftung sind laut wissenschaftlichen Informationen unbegründet. Die jedoch aus dem Amalgam freigesetzten Quecksilberdämpfe können vom Körper aber nicht abgebaut werden, sondern lagern sich ab. Schädliche Rückstände lassen sich bei betroffenen Personen u.a. im Bindegewebe und im Nervengewebe nachweisen. In der Folge bilden sich verstärkt freie Radikale, was Gewebe und Organe schädigen kann.

 

Quellen:

  • Das Gesundheitsportal medondo.health
  • Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung KZBV: Stellungnahme zur Revision der EU-Quecksilberverordnung 
  • Stellungnahme der Bundeszahnärztekammer zu EU-Quecksilberverordnung
  • Deutscher Bundestag: Einsatz von Dentalamalgam
  • Deutscher Bundestag: Mögliche gesundheitliche Folgen für Frauen und Kinder beim Einsatz von Amalgam in der Zahnmedizin. Eine Übersicht zum Stand der Forschung
  • Berlin M. Mercury in dental amalgam: a risk analysis. Neurotoxicology. 2020 Dec;81:382-386. doi: 10.1016/j.neuro.2020.09.034. Epub 2020 Oct 14. PMID: 35623360.
  • Jirau-Colón H, González-Parrilla L, Martinez-Jiménez J, Adam W, Jiménez-Velez B. Rethinking the Dental Amalgam Dilemma: An Integrated Toxicological Approach. Int J Environ Res Public Health. 2019 Mar 22;16(6):1036. doi: 10.3390/ijerph16061036. PMID: 30909378; PMCID: PMC6466133.
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  • Yousefi H. Replacing dental amalgam by mercury-free restorative materials; it's time to take action. Daru. 2018 Sep;26(1):1-3. doi: 10.1007/s40199-018-0212-6. Epub 2018 Aug 21. PMID: 30159764; PMCID: PMC6154480.
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